Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention in Stadtvierteln, Kommunen und Regionen

Wenn Heranwachsende sich rechtsextremen oder anderen menschenverachtenden Ideologien zuwenden, spielt neben dem persönlichen Umfeld auch der Sozialraum eine wichtige Rolle: Rechtsextrem gefährdete Jugendliche wachsen in Stadtvierteln, Kommunen oder Regionen auf, in denen es sogenannte Gelegenheitsstrukturen für einen Einstieg in rechtsextreme Szenen gibt. Dazu zählen beispielsweise rechtsextreme Gruppierungen, die regelmäßig Konzerte und Events organisieren, oder rechtsextreme Parteien, die sich bürger- und jugendnah geben. Ob junge Menschen sich durch diese Angebote »locken« lassen, hängt stark von den sozialräumlichen Bedingungen ab.

Mit Kulturräume 2010 hat cultures interactive Kommunen dabei unterstützt, Resilienz und zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu stärken. Zu den kommunalen Resilienzfaktoren und zivilgesellschaftlichen Widerstandsfaktoren, auf die es dabei ankommt, gehören unter anderem:

  • eine kooperative Zusammenarbeit von Verwaltung, Polizei, freien Trägern und zivilgesellschaftlichen Initiativen
  • eine offene Unterstützung für von Rechtsextremismus bedrohte Personen
  • eine Kultur, die menschenrechtlich geprägte Haltungen im Gemeinwesen und vor allem auch in pädagogischen Einrichtungen – wie Kindergärten, Schulen, Jugendklubs – befördert
  • demokratische Beteiligungsstrukturen zur Mitgestaltung des Sozialraums für junge Menschen und Erwachsene
  • (Jugend)Kulturelle Vielfalt, Engagement gegen Ausgrenzung bestimmter Gruppen
  • Kompetenz- und erlebnisorientierte Angebote zur Stärkung gefährdeter Kinder und Jugendlicher

Die kommunale Rechtsextremismusprävention stärken, professionalisieren und vernetzen

Um diese Faktoren auf- und auszubauen, organisierte cultures interactive in Kulturräume 2010 Runde Tische zwischen lokalen Akteur*innen aus Jugendarbeit, Schule, Politik, Polizei, Presse und Verwaltung zur Abstimmung über Ziele und Inhalte der lokalen Rechtsextremismusprävention. Bei diesen von cultures interactive moderierten Runden Tischen vernetzetn sich die verschiedenen Akteur*innen, um Frühwarnsysteme und Interventionsmöglichkeiten im Bereich Rechtsextremismus zu verabreden. Außerdem bot cultures interactive Fortbildungen zur Sensibilisierung in Bezug auf aktuelle Erscheinungen des Rechtsextremismus an und seine Erfahrungen und Einschätzungen aus der Arbeit mit den Jugendlichen in das Netzwerk ein. Gemeinsam wurde über geeignete Maßnahmen der primären und sekundären Prävention beraten. In einer Zukunftswerkstatt kamen zudem Verantwortliche aus der Jugendarbeit/-Hilfe, Schule, Politik, Polizei, Presse und Verwaltung mit Jugendlichen zusammen, tauschten sich in Kleingruppen direkt zu ihren jeweiligen Perspektiven aus und verhandelten jugendkulturelle Verbesserungen und Präventionsmöglichkeiten.

Beteiligungsstrukturen für und mit Jugendlichen entwickeln

Parallel dazu arbeiteten politische Bildner*innen und Pädagog*innen mit den Jugendlichen vor Ort. cultures interactive führte jugendkulturelle Schulprojekttage und Workshops durch und kam mit den Jugendlichen über ihre lebensweltlichen Interessen und Wünsche sowie über ihre Erfahrungen mit Gewalt und Rechtsextremismus ins Gespräch. In jugendkulturellen Sozialraumbegehungen wurde außerdem zusammen mit den Heranwachsenden untersucht, wo sie sich gern aufhalten und wo nicht, welche Orte von bestimmten Jugendgruppen/Organisationen/Kameradschaften »besetzt« waren und welche jugendkulturellen Angebote fehlten. In Open-Space-Veranstaltungen formulierten Jugendliche Themen und Zielstellungen, die sie für eine Verbesserung im Gemeinwesen als wichtig erachten: z.B. jugendgerechtere Angebote, Mobilität, konkrete Teilhabemöglichkeiten in der Jugendarbeit, Schutz vor rechtsextremen Übergriffen.

Projektinformationen

Projektzeitraum
2007 bis 2010